Das Haus
Das HacklanderHaus Seit 1859
Ein denkmalgeschütztes Mehrfamilienhaus am Stuttgarter Killesberg, mit einer Geschichte, die 1859 beginnt.
Von 1859 — 1910
In der Urbanstraße 10
Friedrich Wilhelm Hackländer kam 1840 nach Stuttgart. Zunächst wohnte Hackländer in verschiedenen Wohnungen zur Miete. Nach einer Italienreise mit dem Kronprinz Karl wohnte er später sogar in seiner Funktion als Privatsekretär in zwei oberen Mansardenräumen des Neuen Schlosses. Nach Entlassung als Privatsekretär 1849 wohnte er wieder in verschiedenen Wohnungen im Umkreis des Schlosses und in seinem Landhaus bei Stuttgart.
Von seinem Freund, dem bekannten Architekten Christian Friedrich Leins ließ er sich 1859 in der Urbanstraße 10 ein großzügiges Haus erbauen, „ein stattliches, sehr bequemes Wohnhaus, welches aber für seine eigenen Verhältnisse etwas zu großartig angelegt war, weshalb er es später verkaufte, um sich unmittelbar daneben in einer neu gebauten einfacheren, aber ganz nach seinen und seiner Familie Bedürfnissen gebauten Wohnung niederzulassen“.
Das mittlerweile als Hackländer-Haus bekannte Gebäude in der Urbanstraße 10 drohte 1910 abgebrochen zu werden. Der Allgemeine Deutsche Versicherungsverein (heute gehört das Gebäude der Allianz) beauftragte 1910 die Architekten Bihl & Woltz mit dem Neubau eines Verwaltungsgebäude. Unter Verwendung der alten Materialien und in seiner alten Form wurde im Stuttgarter Norden in der Schoderstraße 7 das Gebäude wieder aufgebaut.
Hackländer-Haus am ursprünglichen Standort in der Urbanstraße 10
Das 1910 neu erbaute Verwaltungsgebäude, welchem das Hackländer-Haus weichen musste (heute Allianz-Versicherung)
Frühe Innenansicht als Aquarell von Celarius (1873) signiert “mein Arbeitszimmer in der Urbanstraße zu Stuttgart meiner lieben Tochter Marie Hackländer”
Von 1910 — Heute
In der Schoderstraße 7
Johannes Mehl war seit etwa 1890 Werkmeister und Bauunternehmer in Stuttgart. Im Zuge der Stadtentwicklung des Stuttgarter Norden erwarb er 1906 aus der Konkursmasse Fausel das weitläufige Gelände am Kriegsbergturm. Er plante eine ganze Reihe weiterer Gebäude. Neben dem Hackländer-Haus in der Schoderstrasse 7, ein Mehrfamilien-Wohngebäude in der Schoderstrasse 3 und in der Murschelstrasse 1.
Zum Beginn des Wiederaufbaus 1910 gab es die Schoderstraße als solche noch gar nicht. Sie wurde 1910 als Stichstraße von der Birkenwaldstraße 105 zur Feuerbacher Straße (heute Eduard-Pfeiffer-Straße) angelegt. Die beiden ersten Gebäude in der Schoderstraße waren das Haus Nummer 7 und Haus Nummer 10. Das damals größtenteils unbebaute Gelände östlich der heutigen Schoderstraße bis Am Kriegsbergturm gehörte ursprünglich dem königlichen Notar Rudolf Fausel, der dort 1901/02 zwei Wohngebäude (Birkenwaldstraße 103 und 105) sowie eine Villa (Birkenwaldstr. 97a) errichten lies. 1904 wurde die Villa fertiggestellt und fortan als ‚Villa Fausel‘ bezeichnet. An anderer Stelle wird die Villa auch als ‚Zauberschloss‘ bezeichnet. Aufgrund der geschwungenen Giebel und Dreieckserker.
Das wiederaufgebaute Hackländer-Haus im Jahr 1911 zeigt die stolze Eigentümerfamilie Gross-Mehl vor dem Haus.
Bauplan Ansicht der Schoderstraße und Feuerbacher Straße, 1910
Die Architekten Bihl & Woltz haben nicht nur das neue Verwaltungsgebäude in der Urbanstraße 10 geplant, sondern auch den Wiederaufbau des Hackländer-Haus.
Der Baustil
Das Gebäude zeigt sehr typische Merkmale des späten 19. Jahrhunderts und lässt sich am ehesten dem Historismus zuordnen, mit starken Einflüssen der Neorenaissance und etwas Neogotik.
Die repräsentativ ausgestaltete Südfassade zeigt neben den typischen Elementen des Historismus zwei in Sandstein gehauene Köpfe – das Antlitz eines Mannes mit Bart und Kappe sowie und das Antlitz einer von einer Frau, jeweils eingerahmt von einem auf dem kopfgedrehten Quadrat. Oberhalb der mittleren Fensterreihe des Erdgeschosses befinden sich zwei Inschriften. Eine Bronze-Tafel mit der Aufschrift “Hackländer-Haus” und eine aus Sandstein gemeißelte Inschrift in Latein „Et saxa cava“ – was so viel bedeutet wie Strahlendes Bergwerk. Das Strahlende Bergwerk war eine von Hackländer 1850 begründete Künstlergemeinschaft. Hackländer war der Bergmeister (Vereinsvorsitzender) und sein Freund Christian Friedrich Leins, Architekt des Hackländer-Haus, der Untersteiger (Stellvertreter).
Der heutige Standort des Hackländer-Haus in der Schoderstraße 7
Die Inschrift “Et saxa cava” und die Steinköpfe waren bereits an gleicher Stelle am Gebäude in der Urbanstraße 10 zu finden. Die Bronze-Tafel “Hackländer-Haus” wurde erst nach dem Wiederaufbau 1910 hinzugefügt. Damit wollte man auf die historische Bedeutung des Gebäudes als Wohnhaus des Schriftsteller Hackländer hinweisen.
Auf der Westfassade hin zur Schoderstraße sieht man die gleichen aus Sandstein geschlagenen Köpfe sowie zwei reich verzierte Erker. Unterhalb des mittleren Erker entdeckt man die aus Sandstein gemeißelten Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.
Auf der Nordfassade wird das Gebäude von zwei Türmchen überragt. Auf dieser Seite befindet sich auch die Eingangstür im Stile eines antiken Portikus. Die Säulen, das Gesims und auch die schwere, doppelflügelige Holztür stammen jedoch nicht vom ehemaligen Gebäude in der Urbanstraße 10. Johannes Mehl hat diese Fragmente nach dem Abriss des 1902 abgebrannten Königlichen Hoftheater 1904 erworben. Man geht davon aus, dass die beiden Säulen zu den verbliebenen Resten des ursprünglichen Neuen Lusthauses von 1593 gehörten. Sie könnten Teil des westliche Arkadengang mit zwei Treppenläufen sein, der ebenfalls 1904 in den Mittleren Schlossgarten gelangte, wo dieser noch heute als Lusthausruine steht.
Aus Sandstein gemeißelte Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.
Die östliche Fassade weist keine gestalterischen Besonderheiten auf. Sie war auch schon am Standort Urbanstraße 10 von der Straßenseite abgewandt. Sie ist auch nur teilweise in Sandstein gefertigt. Nach den schweren Fliegerangriffen im Juli 1944 wurde das Gebäude, wie nahezu allen anderen umliegenden Gebäude der Schoderstraße, schwer beschädigt. Die Ostfassade wurde daher oberhalb des zweiten Geschosses mit verputztem Mauerwerk erneuert.
Nachdem ebenso durch den Fliegerangriff von 1944 der gesamte Dachstuhl ausgebrannt ist, wurde bei der Sanierung die Dachhöhe und -neigung verändert, damit eine vierte Wohnetage hinzugefügt werden konnte. Die Türmchen der Nordseite sowie Giebel der Südseite wurden in das nun vierte Obergeschoss integriert und die Dachneigung angepasst.
Das heute noch erhaltene Schild “Hackländer-Haus” und aus Sandstein gemeißelte Inschrift in Latein „Et saxa cava“ — “Strahlendes Bergwerk” was auf Hackländers Künstlergemeinschaft hinweist
Die Schoderstraße und das Hackländer-Haus (rechts) nach dem Fliegerangriff vom 25. und 26. Juli 1944
Die Schoderstraße und das Hackländer-Haus (rechts) um 1912
Die STIFTUNG
Die Hackländer-Haus Stiftung wurde ins Leben gerufen, um eines der bemerkenswertesten Gebäude Stuttgarts dauerhaft zu erhalten, und lebendig zu halten. Zusammen mit der Eigentümer-Familie des denkmalgeschützten Hackländer-Hauses an der Schoderstraße 7 übernimmt die Stiftung Verantwortung für ein Stück Stuttgarter Stadtgeschichte.
Doch Erhalt allein reicht nicht. Die Stiftung öffnet das Haus: als Stiftungsbüro für Besucherinnen und Besucher, als Online-Museum für alle, die mehr erfahren möchten. Darüber hinaus fördert sie Projekte in Architektur, Kunst, Kultur und Bildung, in Stuttgart und darüber hinaus.
Ein Haus mit mehr als einer Adresse bekommt so auch mehr als eine Zukunft.
Mehr über die Stiftung
Geschichte verdient Zukunft
Das Haus
Das HacklanderHaus Seit 1859
Ein denkmalgeschütztes Mehrfamilienhaus am Stuttgarter Killesberg, mit einer Geschichte, die 1859 beginnt.
Von 1859 — 1910
In der Urbanstraße 10
Friedrich Wilhelm Hackländer kam 1840 nach Stuttgart. Zunächst wohnte Hackländer in verschiedenen Wohnungen zur Miete. Nach einer Italienreise mit dem Kronprinz Karl wohnte er später sogar in seiner Funktion als Privatsekretär in zwei oberen Mansardenräumen des Neuen Schlosses. Nach Entlassung als Privatsekretär 1849 wohnte er wieder in verschiedenen Wohnungen im Umkreis des Schlosses und in seinem Landhaus bei Stuttgart.
Von seinem Freund, dem bekannten Architekten Christian Friedrich Leins ließ er sich 1859 in der Urbanstraße 10 ein großzügiges Haus erbauen, „ein stattliches, sehr bequemes Wohnhaus, welches aber für seine eigenen Verhältnisse etwas zu großartig angelegt war, weshalb er es später verkaufte, um sich unmittelbar daneben in einer neu gebauten einfacheren, aber ganz nach seinen und seiner Familie Bedürfnissen gebauten Wohnung niederzulassen“.
Das mittlerweile als Hackländer-Haus bekannte Gebäude in der Urbanstraße 10 drohte 1910 abgebrochen zu werden. Der Allgemeine Deutsche Versicherungsverein (heute gehört das Gebäude der Allianz) beauftragte 1910 die Architekten Bihl & Woltz mit dem Neubau eines Verwaltungsgebäude. Unter Verwendung der alten Materialien und in seiner alten Form wurde im Stuttgarter Norden in der Schoderstraße 7 das Gebäude wieder aufgebaut.
Hackländer-Haus am ursprünglichen Standort in der Urbanstraße 10
Das 1910 neu erbaute Verwaltungsgebäude, welchem das Hackländer-Haus weichen musste (heute Allianz-Versicherung)
Frühe Innenansicht als Aquarell von Celarius (1873) signiert “mein Arbeitszimmer in der Urbanstraße zu Stuttgart meiner lieben Tochter Marie Hackländer”
Von 1910 — Heute
In der Schoderstraße 7
Johannes Mehl war seit etwa 1890 Werkmeister und Bauunternehmer in Stuttgart. Im Zuge der Stadtentwicklung des Stuttgarter Norden erwarb er 1906 aus der Konkursmasse Fausel das weitläufige Gelände am Kriegsbergturm. Er plante eine ganze Reihe weiterer Gebäude. Neben dem Hackländer-Haus in der Schoderstrasse 7, ein Mehrfamilien-Wohngebäude in der Schoderstrasse 3 und in der Murschelstrasse 1.
Zum Beginn des Wiederaufbaus 1910 gab es die Schoderstraße als solche noch gar nicht. Sie wurde 1910 als Stichstraße von der Birkenwaldstraße 105 zur Feuerbacher Straße (heute Eduard-Pfeiffer-Straße) angelegt. Die beiden ersten Gebäude in der Schoderstraße waren das Haus Nummer 7 und Haus Nummer 10. Das damals größtenteils unbebaute Gelände östlich der heutigen Schoderstraße bis Am Kriegsbergturm gehörte ursprünglich dem königlichen Notar Rudolf Fausel, der dort 1901/02 zwei Wohngebäude (Birkenwaldstraße 103 und 105) sowie eine Villa (Birkenwaldstr. 97a) errichten lies. 1904 wurde die Villa fertiggestellt und fortan als ‚Villa Fausel‘ bezeichnet. An anderer Stelle wird die Villa auch als ‚Zauberschloss‘ bezeichnet. Aufgrund der geschwungenen Giebel und Dreieckserker.
Das wiederaufgebaute Hackländer-Haus im Jahr 1911 zeigt die stolze Eigentümerfamilie Gross-Mehl vor dem Haus.
Bauplan Ansicht der Schoderstraße und Feuerbacher Straße, 1910
Die Architekten Bihl & Woltz haben nicht nur das neue Verwaltungsgebäude in der Urbanstraße 10 geplant, sondern auch den Wiederaufbau des Hackländer-Haus.
Der Baustil
Das Gebäude zeigt sehr typische Merkmale des späten 19. Jahrhunderts und lässt sich am ehesten dem Historismus zuordnen, mit starken Einflüssen der Neorenaissance und etwas Neogotik.
Die repräsentativ ausgestaltete Südfassade zeigt neben den typischen Elementen des Historismus zwei in Sandstein gehauene Köpfe – das Antlitz eines Mannes mit Bart und Kappe sowie und das Antlitz einer von einer Frau, jeweils eingerahmt von einem auf dem kopfgedrehten Quadrat. Oberhalb der mittleren Fensterreihe des Erdgeschosses befinden sich zwei Inschriften. Eine Bronze-Tafel mit der Aufschrift “Hackländer-Haus” und eine aus Sandstein gemeißelte Inschrift in Latein „Et saxa cava“ – was so viel bedeutet wie Strahlendes Bergwerk. Das Strahlende Bergwerk war eine von Hackländer 1850 begründete Künstlergemeinschaft. Hackländer war der Bergmeister (Vereinsvorsitzender) und sein Freund Christian Friedrich Leins, Architekt des Hackländer-Haus, der Untersteiger (Stellvertreter).
Der heutige Standort des Hackländer-Haus in der Schoderstraße 7
Die Inschrift “Et saxa cava” und die Steinköpfe waren bereits an gleicher Stelle am Gebäude in der Urbanstraße 10 zu finden. Die Bronze-Tafel “Hackländer-Haus” wurde erst nach dem Wiederaufbau 1910 hinzugefügt. Damit wollte man auf die historische Bedeutung des Gebäudes als Wohnhaus des Schriftsteller Hackländer hinweisen.
Auf der Westfassade hin zur Schoderstraße sieht man die gleichen aus Sandstein geschlagenen Köpfe sowie zwei reich verzierte Erker. Unterhalb des mittleren Erker entdeckt man die aus Sandstein gemeißelten Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.
Auf der Nordfassade wird das Gebäude von zwei Türmchen überragt. Auf dieser Seite befindet sich auch die Eingangstür im Stile eines antiken Portikus. Die Säulen, das Gesims und auch die schwere, doppelflügelige Holztür stammen jedoch nicht vom ehemaligen Gebäude in der Urbanstraße 10. Johannes Mehl hat diese Fragmente nach dem Abriss des 1902 abgebrannten Königlichen Hoftheater 1904 erworben. Man geht davon aus, dass die beiden Säulen zu den verbliebenen Resten des ursprünglichen Neuen Lusthauses von 1593 gehörten. Sie könnten Teil des westliche Arkadengang mit zwei Treppenläufen sein, der ebenfalls 1904 in den Mittleren Schlossgarten gelangte, wo dieser noch heute als Lusthausruine steht.
Aus Sandstein gemeißelte Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.
Die östliche Fassade weist keine gestalterischen Besonderheiten auf. Sie war auch schon am Standort Urbanstraße 10 von der Straßenseite abgewandt. Sie ist auch nur teilweise in Sandstein gefertigt. Nach den schweren Fliegerangriffen im Juli 1944 wurde das Gebäude, wie nahezu allen anderen umliegenden Gebäude der Schoderstraße, schwer beschädigt. Die Ostfassade wurde daher oberhalb des zweiten Geschosses mit verputztem Mauerwerk erneuert.
Nachdem ebenso durch den Fliegerangriff von 1944 der gesamte Dachstuhl ausgebrannt ist, wurde bei der Sanierung die Dachhöhe und -neigung verändert, damit eine vierte Wohnetage hinzugefügt werden konnte. Die Türmchen der Nordseite sowie Giebel der Südseite wurden in das nun vierte Obergeschoss integriert und die Dachneigung angepasst.
Das heute noch erhaltene Schild “Hackländer-Haus” und aus Sandstein gemeißelte Inschrift in Latein „Et saxa cava“ — “Strahlendes Bergwerk” was auf Hackländers Künstlergemeinschaft hinweist
Die Schoderstraße und das Hackländer-Haus (rechts) nach dem Fliegerangriff vom 25. und 26. Juli 1944
Die Schoderstraße und das Hackländer-Haus (rechts) um 1912
Die STIFTUNG
Die Hackländer-Haus Stiftung wurde ins Leben gerufen, um eines der bemerkenswertesten Gebäude Stuttgarts dauerhaft zu erhalten, und lebendig zu halten. Zusammen mit der Eigentümer-Familie des denkmalgeschützten Hackländer-Hauses an der Schoderstraße 7 übernimmt die Stiftung Verantwortung für ein Stück Stuttgarter Stadtgeschichte.
Doch Erhalt allein reicht nicht. Die Stiftung öffnet das Haus: als Stiftungsbüro für Besucherinnen und Besucher, als Online-Museum für alle, die mehr erfahren möchten. Darüber hinaus fördert sie Projekte in Architektur, Kunst, Kultur und Bildung, in Stuttgart und darüber hinaus.
Ein Haus mit mehr als einer Adresse bekommt so auch mehr als eine Zukunft.
Mehr über die Stiftung
Geschichteverdient Zukunft
Das Haus
Das HacklanderHaus Seit 1859
Ein denkmalgeschütztes Mehrfamilienhaus am Stuttgarter Killesberg, mit einer Geschichte, die 1859 beginnt.
Von 1859 — 1910
In der Urbanstraße 10
Friedrich Wilhelm Hackländer kam 1840 nach Stuttgart. Zunächst wohnte Hackländer in verschiedenen Wohnungen zur Miete. Nach einer Italienreise mit dem Kronprinz Karl wohnte er später sogar in seiner Funktion als Privatsekretär in zwei oberen Mansardenräumen des Neuen Schlosses. Nach Entlassung als Privatsekretär 1849 wohnte er wieder in verschiedenen Wohnungen im Umkreis des Schlosses und in seinem Landhaus bei Stuttgart.
Von seinem Freund, dem bekannten Architekten Christian Friedrich Leins ließ er sich 1859 in der Urbanstraße 10 ein großzügiges Haus erbauen, „ein stattliches, sehr bequemes Wohnhaus, welches aber für seine eigenen Verhältnisse etwas zu großartig angelegt war, weshalb er es später verkaufte, um sich unmittelbar daneben in einer neu gebauten einfacheren, aber ganz nach seinen und seiner Familie Bedürfnissen gebauten Wohnung niederzulassen“.
Das mittlerweile als Hackländer-Haus bekannte Gebäude in der Urbanstraße 10 drohte 1910 abgebrochen zu werden. Der Allgemeine Deutsche Versicherungsverein (heute gehört das Gebäude der Allianz) beauftragte 1910 die Architekten Bihl & Woltz mit dem Neubau eines Verwaltungsgebäude. Unter Verwendung der alten Materialien und in seiner alten Form wurde im Stuttgarter Norden in der Schoderstraße 7 das Gebäude wieder aufgebaut.
Hackländer-Haus am ursprünglichen Standort in der Urbanstraße 10
Das 1910 neu erbaute Verwaltungsgebäude, welchem das Hackländer-Haus weichen musste (heute Allianz-Versicherung)
Frühe Innenansicht als Aquarell von Celarius (1873) signiert “mein Arbeitszimmer in der Urbanstraße zu Stuttgart meiner lieben Tochter Marie Hackländer”
Von 1910 — Heute
In der Schoderstraße 7
Johannes Mehl war seit etwa 1890 Werkmeister und Bauunternehmer in Stuttgart. Im Zuge der Stadtentwicklung des Stuttgarter Norden erwarb er 1906 aus der Konkursmasse Fausel das weitläufige Gelände am Kriegsbergturm. Er plante eine ganze Reihe weiterer Gebäude. Neben dem Hackländer-Haus in der Schoderstrasse 7, ein Mehrfamilien-Wohngebäude in der Schoderstrasse 3 und in der Murschelstrasse 1.
Zum Beginn des Wiederaufbaus 1910 gab es die Schoderstraße als solche noch gar nicht. Sie wurde 1910 als Stichstraße von der Birkenwaldstraße 105 zur Feuerbacher Straße (heute Eduard-Pfeiffer-Straße) angelegt. Die beiden ersten Gebäude in der Schoderstraße waren das Haus Nummer 7 und Haus Nummer 10. Das damals größtenteils unbebaute Gelände östlich der heutigen Schoderstraße bis Am Kriegsbergturm gehörte ursprünglich dem königlichen Notar Rudolf Fausel, der dort 1901/02 zwei Wohngebäude (Birkenwaldstraße 103 und 105) sowie eine Villa (Birkenwaldstr. 97a) errichten lies. 1904 wurde die Villa fertiggestellt und fortan als ‚Villa Fausel‘ bezeichnet. An anderer Stelle wird die Villa auch als ‚Zauberschloss‘ bezeichnet. Aufgrund der geschwungenen Giebel und Dreieckserker.
Das wiederaufgebaute Hackländer-Haus im Jahr 1911 zeigt die stolze Eigentümerfamilie Gross-Mehl vor dem Haus.
Bauplan Ansicht der Schoderstraße und Feuerbacher Straße, 1910
Die Architekten Bihl & Woltz haben nicht nur das neue Verwaltungsgebäude in der Urbanstraße 10 geplant, sondern auch den Wiederaufbau des Hackländer-Haus.
Der Baustil
Das Gebäude zeigt sehr typische Merkmale des späten 19. Jahrhunderts und lässt sich am ehesten dem Historismus zuordnen, mit starken Einflüssen der Neorenaissance und etwas Neogotik.
Die repräsentativ ausgestaltete Südfassade zeigt neben den typischen Elementen des Historismus zwei in Sandstein gehauene Köpfe – das Antlitz eines Mannes mit Bart und Kappe sowie und das Antlitz einer von einer Frau, jeweils eingerahmt von einem auf dem kopfgedrehten Quadrat. Oberhalb der mittleren Fensterreihe des Erdgeschosses befinden sich zwei Inschriften. Eine Bronze-Tafel mit der Aufschrift “Hackländer-Haus” und eine aus Sandstein gemeißelte Inschrift in Latein „Et saxa cava“ – was so viel bedeutet wie Strahlendes Bergwerk. Das Strahlende Bergwerk war eine von Hackländer 1850 begründete Künstlergemeinschaft. Hackländer war der Bergmeister (Vereinsvorsitzender) und sein Freund Christian Friedrich Leins, Architekt des Hackländer-Haus, der Untersteiger (Stellvertreter).
Der heutige Standort des Hackländer-Haus in der Schoderstraße 7
Die Inschrift “Et saxa cava” und die Steinköpfe waren bereits an gleicher Stelle am Gebäude in der Urbanstraße 10 zu finden. Die Bronze-Tafel “Hackländer-Haus” wurde erst nach dem Wiederaufbau 1910 hinzugefügt. Damit wollte man auf die historische Bedeutung des Gebäudes als Wohnhaus des Schriftsteller Hackländer hinweisen.
Auf der Westfassade hin zur Schoderstraße sieht man die gleichen aus Sandstein geschlagenen Köpfe sowie zwei reich verzierte Erker. Unterhalb des mittleren Erker entdeckt man die aus Sandstein gemeißelten Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.
Auf der Nordfassade wird das Gebäude von zwei Türmchen überragt. Auf dieser Seite befindet sich auch die Eingangstür im Stile eines antiken Portikus. Die Säulen, das Gesims und auch die schwere, doppelflügelige Holztür stammen jedoch nicht vom ehemaligen Gebäude in der Urbanstraße 10. Johannes Mehl hat diese Fragmente nach dem Abriss des 1902 abgebrannten Königlichen Hoftheater 1904 erworben. Man geht davon aus, dass die beiden Säulen zu den verbliebenen Resten des ursprünglichen Neuen Lusthauses von 1593 gehörten. Sie könnten Teil des westliche Arkadengang mit zwei Treppenläufen sein, der ebenfalls 1904 in den Mittleren Schlossgarten gelangte, wo dieser noch heute als Lusthausruine steht.
Aus Sandstein gemeißelte Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.
Die östliche Fassade weist keine gestalterischen Besonderheiten auf. Sie war auch schon am Standort Urbanstraße 10 von der Straßenseite abgewandt. Sie ist auch nur teilweise in Sandstein gefertigt. Nach den schweren Fliegerangriffen im Juli 1944 wurde das Gebäude, wie nahezu allen anderen umliegenden Gebäude der Schoderstraße, schwer beschädigt. Die Ostfassade wurde daher oberhalb des zweiten Geschosses mit verputztem Mauerwerk erneuert.
Nachdem ebenso durch den Fliegerangriff von 1944 der gesamte Dachstuhl ausgebrannt ist, wurde bei der Sanierung die Dachhöhe und -neigung verändert, damit eine vierte Wohnetage hinzugefügt werden konnte. Die Türmchen der Nordseite sowie Giebel der Südseite wurden in das nun vierte Obergeschoss integriert und die Dachneigung angepasst.
Das heute noch erhaltene Schild “Hackländer-Haus” und aus Sandstein gemeißelte Inschrift in Latein „Et saxa cava“ — “Strahlendes Bergwerk” was auf Hackländers Künstlergemeinschaft hinweist
Die Schoderstraße und das Hackländer-Haus (rechts) nach dem Fliegerangriff vom 25. und 26. Juli 1944
Die Schoderstraße und das Hackländer-Haus (rechts) um 1912
Die STIFTUNG
Die Hackländer-Haus Stiftung wurde ins Leben gerufen, um eines der bemerkenswertesten Gebäude Stuttgarts dauerhaft zu erhalten, und lebendig zu halten. Zusammen mit der Eigentümer-Familie des denkmalgeschützten Hackländer-Hauses an der Schoderstraße 7 übernimmt die Stiftung Verantwortung für ein Stück Stuttgarter Stadtgeschichte.
Doch Erhalt allein reicht nicht. Die Stiftung öffnet das Haus: als Stiftungsbüro für Besucherinnen und Besucher, als Online-Museum für alle, die mehr erfahren möchten. Darüber hinaus fördert sie Projekte in Architektur, Kunst, Kultur und Bildung, in Stuttgart und darüber hinaus.
Ein Haus mit mehr als einer Adresse bekommt so auch mehr als eine Zukunft.
Mehr über die Stiftung
Geschichte verdient Zukunft
Das Haus
Das HacklanderHaus Seit 1859
Ein denkmalgeschütztes Mehrfamilienhaus am Stuttgarter Killesberg, mit einer Geschichte, die 1859 beginnt.
Von 1859 — 1910
In der Urbanstraße 10
Friedrich Wilhelm Hackländer kam 1840 nach Stuttgart. Zunächst wohnte Hackländer in verschiedenen Wohnungen zur Miete. Nach einer Italienreise mit dem Kronprinz Karl wohnte er später sogar in seiner Funktion als Privatsekretär in zwei oberen Mansardenräumen des Neuen Schlosses. Nach Entlassung als Privatsekretär 1849 wohnte er wieder in verschiedenen Wohnungen im Umkreis des Schlosses und in seinem Landhaus bei Stuttgart.
Von seinem Freund, dem bekannten Architekten Christian Friedrich Leins ließ er sich 1859 in der Urbanstraße 10 ein großzügiges Haus erbauen, „ein stattliches, sehr bequemes Wohnhaus, welches aber für seine eigenen Verhältnisse etwas zu großartig angelegt war, weshalb er es später verkaufte, um sich unmittelbar daneben in einer neu gebauten einfacheren, aber ganz nach seinen und seiner Familie Bedürfnissen gebauten Wohnung niederzulassen“.
Das mittlerweile als Hackländer-Haus bekannte Gebäude in der Urbanstraße 10 drohte 1910 abgebrochen zu werden. Der Allgemeine Deutsche Versicherungsverein (heute gehört das Gebäude der Allianz) beauftragte 1910 die Architekten Bihl & Woltz mit dem Neubau eines Verwaltungsgebäude. Unter Verwendung der alten Materialien und in seiner alten Form wurde im Stuttgarter Norden in der Schoderstraße 7 das Gebäude wieder aufgebaut.
Hackländer-Haus am ursprünglichen Standort in der Urbanstraße 10
Das 1910 neu erbaute Verwaltungsgebäude, welchem das Hackländer-Haus weichen musste (heute Allianz-Versicherung)
Frühe Innenansicht als Aquarell von Celarius (1873) signiert “mein Arbeitszimmer in der Urbanstraße zu Stuttgart meiner lieben Tochter Marie Hackländer”
Von 1910 — Heute
In der Schoderstraße 7
Johannes Mehl war seit etwa 1890 Werkmeister und Bauunternehmer in Stuttgart. Im Zuge der Stadtentwicklung des Stuttgarter Norden erwarb er 1906 aus der Konkursmasse Fausel das weitläufige Gelände am Kriegsbergturm. Er plante eine ganze Reihe weiterer Gebäude. Neben dem Hackländer-Haus in der Schoderstrasse 7, ein Mehrfamilien-Wohngebäude in der Schoderstrasse 3 und in der Murschelstrasse 1.
Zum Beginn des Wiederaufbaus 1910 gab es die Schoderstraße als solche noch gar nicht. Sie wurde 1910 als Stichstraße von der Birkenwaldstraße 105 zur Feuerbacher Straße (heute Eduard-Pfeiffer-Straße) angelegt. Die beiden ersten Gebäude in der Schoderstraße waren das Haus Nummer 7 und Haus Nummer 10. Das damals größtenteils unbebaute Gelände östlich der heutigen Schoderstraße bis Am Kriegsbergturm gehörte ursprünglich dem königlichen Notar Rudolf Fausel, der dort 1901/02 zwei Wohngebäude (Birkenwaldstraße 103 und 105) sowie eine Villa (Birkenwaldstr. 97a) errichten lies. 1904 wurde die Villa fertiggestellt und fortan als ‚Villa Fausel‘ bezeichnet. An anderer Stelle wird die Villa auch als ‚Zauberschloss‘ bezeichnet. Aufgrund der geschwungenen Giebel und Dreieckserker.
Das wiederaufgebaute Hackländer-Haus im Jahr 1911 zeigt die stolze Eigentümerfamilie Gross-Mehl vor dem Haus.
Bauplan Ansicht der Schoderstraße und Feuerbacher Straße, 1910
Die Architekten Bihl & Woltz haben nicht nur das neue Verwaltungsgebäude in der Urbanstraße 10 geplant, sondern auch den Wiederaufbau des Hackländer-Haus.
Der Baustil
Das Gebäude zeigt sehr typische Merkmale des späten 19. Jahrhunderts und lässt sich am ehesten dem Historismus zuordnen, mit starken Einflüssen der Neorenaissance und etwas Neogotik.
Die repräsentativ ausgestaltete Südfassade zeigt neben den typischen Elementen des Historismus zwei in Sandstein gehauene Köpfe – das Antlitz eines Mannes mit Bart und Kappe sowie und das Antlitz einer von einer Frau, jeweils eingerahmt von einem auf dem kopfgedrehten Quadrat. Oberhalb der mittleren Fensterreihe des Erdgeschosses befinden sich zwei Inschriften. Eine Bronze-Tafel mit der Aufschrift “Hackländer-Haus” und eine aus Sandstein gemeißelte Inschrift in Latein „Et saxa cava“ – was so viel bedeutet wie Strahlendes Bergwerk. Das Strahlende Bergwerk war eine von Hackländer 1850 begründete Künstlergemeinschaft. Hackländer war der Bergmeister (Vereinsvorsitzender) und sein Freund Christian Friedrich Leins, Architekt des Hackländer-Haus, der Untersteiger (Stellvertreter).
Der heutige Standort des Hackländer-Haus in der Schoderstraße 7
Die Inschrift “Et saxa cava” und die Steinköpfe waren bereits an gleicher Stelle am Gebäude in der Urbanstraße 10 zu finden. Die Bronze-Tafel “Hackländer-Haus” wurde erst nach dem Wiederaufbau 1910 hinzugefügt. Damit wollte man auf die historische Bedeutung des Gebäudes als Wohnhaus des Schriftsteller Hackländer hinweisen.
Auf der Westfassade hin zur Schoderstraße sieht man die gleichen aus Sandstein geschlagenen Köpfe sowie zwei reich verzierte Erker. Unterhalb des mittleren Erker entdeckt man die aus Sandstein gemeißelten Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.
Auf der Nordfassade wird das Gebäude von zwei Türmchen überragt. Auf dieser Seite befindet sich auch die Eingangstür im Stile eines antiken Portikus. Die Säulen, das Gesims und auch die schwere, doppelflügelige Holztür stammen jedoch nicht vom ehemaligen Gebäude in der Urbanstraße 10. Johannes Mehl hat diese Fragmente nach dem Abriss des 1902 abgebrannten Königlichen Hoftheater 1904 erworben. Man geht davon aus, dass die beiden Säulen zu den verbliebenen Resten des ursprünglichen Neuen Lusthauses von 1593 gehörten. Sie könnten Teil des westliche Arkadengang mit zwei Treppenläufen sein, der ebenfalls 1904 in den Mittleren Schlossgarten gelangte, wo dieser noch heute als Lusthausruine steht.
Aus Sandstein gemeißelte Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.
Die östliche Fassade weist keine gestalterischen Besonderheiten auf. Sie war auch schon am Standort Urbanstraße 10 von der Straßenseite abgewandt. Sie ist auch nur teilweise in Sandstein gefertigt. Nach den schweren Fliegerangriffen im Juli 1944 wurde das Gebäude, wie nahezu allen anderen umliegenden Gebäude der Schoderstraße, schwer beschädigt. Die Ostfassade wurde daher oberhalb des zweiten Geschosses mit verputztem Mauerwerk erneuert.
Nachdem ebenso durch den Fliegerangriff von 1944 der gesamte Dachstuhl ausgebrannt ist, wurde bei der Sanierung die Dachhöhe und -neigung verändert, damit eine vierte Wohnetage hinzugefügt werden konnte. Die Türmchen der Nordseite sowie Giebel der Südseite wurden in das nun vierte Obergeschoss integriert und die Dachneigung angepasst.
Das heute noch erhaltene Schild “Hackländer-Haus” und aus Sandstein gemeißelte Inschrift in Latein „Et saxa cava“ — “Strahlendes Bergwerk” was auf Hackländers Künstlergemeinschaft hinweist
Die Schoderstraße und das Hackländer-Haus (rechts) nach dem Fliegerangriff vom 25. und 26. Juli 1944
Die Schoderstraße und das Hackländer-Haus (rechts) um 1912
Die STIFTUNG
Die Hackländer-Haus Stiftung wurde ins Leben gerufen, um eines der bemerkenswertesten Gebäude Stuttgarts dauerhaft zu erhalten, und lebendig zu halten. Zusammen mit der Eigentümer-Familie des denkmalgeschützten Hackländer-Hauses an der Schoderstraße 7 übernimmt die Stiftung Verantwortung für ein Stück Stuttgarter Stadtgeschichte.
Doch Erhalt allein reicht nicht. Die Stiftung öffnet das Haus: als Stiftungsbüro für Besucherinnen und Besucher, als Online-Museum für alle, die mehr erfahren möchten. Darüber hinaus fördert sie Projekte in Architektur, Kunst, Kultur und Bildung, in Stuttgart und darüber hinaus.
Ein Haus mit mehr als einer Adresse bekommt so auch mehr als eine Zukunft.
Mehr über die Stiftung
Geschichte verdient Zukunft
Das Haus
Das HacklanderHaus Seit 1859
Ein denkmalgeschütztes Mehrfamilienhaus am Stuttgarter Killesberg, mit einer Geschichte, die 1859 beginnt.
Von 1859 — 1910
In der Urbanstraße 10
Hackländer-Haus am ursprünglichen Standort in der Urbanstraße 10
Das 1910 neu erbaute Verwaltungsgebäude, welchem das Hackländer-Haus weichen musste (heute Allianz-Versicherung)
Frühe Innenansicht als Aquarell von Celarius (1873) signiert “mein Arbeitszimmer in der Urbanstraße zu Stuttgart meiner lieben Tochter Marie Hackländer”
Von 1910 — Heute
In der Schoderstraße 7
Johannes Mehl war seit etwa 1890 Werkmeister und Bauunternehmer in Stuttgart. Im Zuge der Stadtentwicklung des Stuttgarter Norden erwarb er 1906 aus der Konkursmasse Fausel das weitläufige Gelände am Kriegsbergturm. Er plante eine ganze Reihe weiterer Gebäude. Neben dem Hackländer-Haus in der Schoderstrasse 7, ein Mehrfamilien-Wohngebäude in der Schoderstrasse 3 und in der Murschelstrasse 1.
Zum Beginn des Wiederaufbaus 1910 gab es die Schoderstraße als solche noch gar nicht. Sie wurde 1910 als Stichstraße von der Birkenwaldstraße 105 zur Feuerbacher Straße (heute Eduard-Pfeiffer-Straße) angelegt. Die beiden ersten Gebäude in der Schoderstraße waren das Haus Nummer 7 und Haus Nummer 10. Das damals größtenteils unbebaute Gelände östlich der heutigen Schoderstraße bis Am Kriegsbergturm gehörte ursprünglich dem königlichen Notar Rudolf Fausel, der dort 1901/02 zwei Wohngebäude (Birkenwaldstraße 103 und 105) sowie eine Villa (Birkenwaldstr. 97a) errichten lies. 1904 wurde die Villa fertiggestellt und fortan als ‚Villa Fausel‘ bezeichnet. An anderer Stelle wird die Villa auch als ‚Zauberschloss‘ bezeichnet. Aufgrund der geschwungenen Giebel und Dreieckserker.
Das wiederaufgebaute Hackländer-Haus im Jahr 1911 zeigt die stolze Eigentümerfamilie Gross-Mehl vor dem Haus.
Bauplan Ansicht der Schoderstraße und Feuerbacher Straße, 1910
Die Architekten Bihl & Woltz haben nicht nur das neue Verwaltungsgebäude in der Urbanstraße 10 geplant, sondern auch den Wiederaufbau des Hackländer-Haus.
Der Baustil
Das Gebäude zeigt sehr typische Merkmale des späten 19. Jahrhunderts und lässt sich am ehesten dem Historismus zuordnen, mit starken Einflüssen der Neorenaissance und etwas Neogotik.
Die repräsentativ ausgestaltete Südfassade zeigt neben den typischen Elementen des Historismus zwei in Sandstein gehauene Köpfe – das Antlitz eines Mannes mit Bart und Kappe sowie und das Antlitz einer von einer Frau, jeweils eingerahmt von einem auf dem kopfgedrehten Quadrat. Oberhalb der mittleren Fensterreihe des Erdgeschosses befinden sich zwei Inschriften. Eine Bronze-Tafel mit der Aufschrift “Hackländer-Haus” und eine aus Sandstein gemeißelte Inschrift in Latein „Et saxa cava“ – was so viel bedeutet wie Strahlendes Bergwerk. Das Strahlende Bergwerk war eine von Hackländer 1850 begründete Künstlergemeinschaft. Hackländer war der Bergmeister (Vereinsvorsitzender) und sein Freund Christian Friedrich Leins, Architekt des Hackländer-Haus, der Untersteiger (Stellvertreter).
Der heutige Standort des Hackländer-Haus in der Schoderstraße 7
Die Inschrift “Et saxa cava” und die Steinköpfe waren bereits an gleicher Stelle am Gebäude in der Urbanstraße 10 zu finden. Die Bronze-Tafel “Hackländer-Haus” wurde erst nach dem Wiederaufbau 1910 hinzugefügt. Damit wollte man auf die historische Bedeutung des Gebäudes als Wohnhaus des Schriftsteller Hackländer hinweisen.
Auf der Westfassade hin zur Schoderstraße sieht man die gleichen aus Sandstein geschlagenen Köpfe sowie zwei reich verzierte Erker. Unterhalb des mittleren Erker entdeckt man die aus Sandstein gemeißelten Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.
Auf der Nordfassade wird das Gebäude von zwei Türmchen überragt. Auf dieser Seite befindet sich auch die Eingangstür im Stile eines antiken Portikus. Die Säulen, das Gesims und auch die schwere, doppelflügelige Holztür stammen jedoch nicht vom ehemaligen Gebäude in der Urbanstraße 10. Johannes Mehl hat diese Fragmente nach dem Abriss des 1902 abgebrannten Königlichen Hoftheater 1904 erworben. Man geht davon aus, dass die beiden Säulen zu den verbliebenen Resten des ursprünglichen Neuen Lusthauses von 1593 gehörten. Sie könnten Teil des westliche Arkadengang mit zwei Treppenläufen sein, der ebenfalls 1904 in den Mittleren Schlossgarten gelangte, wo dieser noch heute als Lusthausruine steht.
Aus Sandstein gemeißelte Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.
Die östliche Fassade weist keine gestalterischen Besonderheiten auf. Sie war auch schon am Standort Urbanstraße 10 von der Straßenseite abgewandt. Sie ist auch nur teilweise in Sandstein gefertigt. Nach den schweren Fliegerangriffen im Juli 1944 wurde das Gebäude, wie nahezu allen anderen umliegenden Gebäude der Schoderstraße, schwer beschädigt. Die Ostfassade wurde daher oberhalb des zweiten Geschosses mit verputztem Mauerwerk erneuert.
Nachdem ebenso durch den Fliegerangriff von 1944 der gesamte Dachstuhl ausgebrannt ist, wurde bei der Sanierung die Dachhöhe und -neigung verändert, damit eine vierte Wohnetage hinzugefügt werden konnte. Die Türmchen der Nordseite sowie Giebel der Südseite wurden in das nun vierte Obergeschoss integriert und die Dachneigung angepasst.
Das heute noch erhaltene Schild “Hackländer-Haus” und aus Sandstein gemeißelte Inschrift in Latein „Et saxa cava“ — “Strahlendes Bergwerk” was auf Hackländers Künstlergemeinschaft hinweist
Die Schoderstraße und das Hackländer-Haus (rechts) nach dem Fliegerangriff vom 25. und 26. Juli 1944
Die Schoderstraße und das Hackländer-Haus (rechts) um 1912
Die STIFTUNG
Die Hackländer-Haus Stiftung wurde ins Leben gerufen, um eines der bemerkenswertesten Gebäude Stuttgarts dauerhaft zu erhalten, und lebendig zu halten. Zusammen mit der Eigentümer-Familie des denkmalgeschützten Hackländer-Hauses an der Schoderstraße 7 übernimmt die Stiftung Verantwortung für ein Stück Stuttgarter Stadtgeschichte.
Doch Erhalt allein reicht nicht. Die Stiftung öffnet das Haus: als Stiftungsbüro für Besucherinnen und Besucher, als Online-Museum für alle, die mehr erfahren möchten. Darüber hinaus fördert sie Projekte in Architektur, Kunst, Kultur und Bildung, in Stuttgart und darüber hinaus.
Ein Haus mit mehr als einer Adresse bekommt so auch mehr als eine Zukunft.
Mehr über die Stiftung
Geschichte verdient Zukunft